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Materialwirtschaft

Der Begriff Materialwirtschaft umfasst alle Aufgaben innerhalb eines Unternehmens, die für die Verwaltung, Planung und Versorgung des Produktionsbereichs zuständig sind.

Darunter fällt sowohl die Versorgung mit Material und Werkstoffen als auch die Versorgung mit Betriebsmitteln. Die Arbeit der entsprechenden Mitarbeiter fällt ebenfalls in die Materialwirtschaft.

Also beinhaltet die Materialwirtschaft alle Handlungen eines Unternehmens, die darauf ausgelegt sind, Material für den Produktionsprozess des Unternehmens zu besorgen.

Aufbau und Funktionsweise der Materialwirtschaft

Die Materialwirtschaft berührt in einem Unternehmen mehrere Aufgabenfelder, auch wenn das übergeordnete Ziel die Planung des Materialflusses ist. Zu den Aufgabenfeldern der Materialwirtschaft in einem Unternehmen gehören die Materialbedarfsermittlung, die Materialbeschaffung, die Lagerhaltung und der Transport. Im folgenden Abschnitt werden die einzelnen Aufgabenfelder der Materialwirtschaft beschrieben.

Materialbedarfsermittlung

Die Materialbedarfsermittlung umfasst die Ermittlung der Materialbedarfe, die in einem Unternehmen zukünftig auftreten werden. Um diese Bedarfe zu bestimmten, gibt es verschiedene Verfahren. Die zwei Verfahren, welche am häufigsten eingesetzt werden, sind die deterministische Materialbedarfsermittlung und die stochastische Materialbedarfsermittlung.

Bei der deterministischen Materialbedarfsermittlung wird der zukünftig auftretende Bedarf durch den aktuellen Absatz und die daraus resultierende Produktion bestimmt. Dazu sind fest vergebene Kundenaufträge unerlässlich, da sich der aktuelle Bedarf ansonsten nicht genau genug ermitteln lässt. Für dieses Verfahren werden neben den Kundenaufträgen noch Stücklisten und Arbeitspläne verwendet, um das gewünschte Endprodukt in seine einzelnen Komponenten zu zerlegen und so den Bedarf für ein Endprodukt zu ermitteln. Daraus wird der Bruttobedarf der einzelnen Materialgruppen berechnet. Aus dem Bruttobedarf wird dann mithilfe des aktuellen Lagerbestands der tatsächliche Bedarf (Nettobedarf) errechnet.

Ein weiteres Verfahren zur Materialbedarfsermittlung ist die stochastische Materialbedarfsermittlung. Dabei wird der Bedarf anhand des vergangenen Bedarfs ermittelt. Dadurch lässt sich eine Prognose für zukünftige Bedarfe erstellen.

Materialbeschaffung

Die Materialbeschaffung umfasst zum Großteil die Aufgaben des Einkaufs. Dazu gehören die Ermittlung der Bestellmenge, das Einholen und der Vergleich von Angeboten, das Tätigen von Bestellungen, die Kontrolle des Wareneingangs und die Einlagerung der Ware.

Es gibt unterschiedliche Arten der Materialbeschaffung. Je nach Bedarf und Endprodukt kann es sinnvoll sein, sich für eine Kombination der Beschaffungsarten zu entscheiden. Es gibt die Einzelbeschaffung, die Vorratsbeschaffung, die JIT-Beschaffung und die Beschaffung mittels ABC-Analyse.

Bei der Einzelbeschaffung werden Waren erst dann bestellt, wenn sie benötigt werden. Dadurch werden die Lagerkosten und die Kapitalbindung reduziert. Es erhöht sich jedoch auch das Risiko einer Lieferverzögerung.

Die Vorratsbeschreibung umfasst die Anschaffung von sehr großen Mengen. Dadurch werden die Beschaffungskosten reduziert, die Lager- und Kapitalbindungskosten steigen jedoch.

Die JIT-Beschaffung (Just-in-Time Beschaffung) beschreibt eine Art der Beschaffung, bei der Materialien mit einer sehr kurzen Zeitspanne zur Weiterverarbeitung angeliefert werden. Dies wird beispielsweise sehr häufig in der Automobilindustrie verwendet.

Mittels einer ABC-Analyse können sehr wichtige und häufig verwendete Güter von den weniger wichtigen Gütern unterschieden werden. Je nach Wichtigkeit des Guts kann es lohnenswert sein, eine andere Beschaffungsart zu wählen.

Lagerhaltung

Die Lagerhaltung ist ebenfalls eine sehr wichtige Aufgabe der Materialwirtschaft. Die Lagerhaltung beschreibt dabei alle Vorgänge, die ein gewolltes Lagern eines Produkts oder Materials beschreiben. In einem Unternehmen kann es während eines Produktionsvorgangs unterschiedliche Gründe geben, warum ein Gut gewollt gelagert wird. Dann hat die Lagerung eine bestimmte Funktion inne.

Die Ausgleichsfunktion ist eine der häufigsten Funktionen der Lagerhaltung. Sie tritt dann auf, wenn Material in größeren Mengen gelagert, als benötigt wird. Das Lager erfüllt dann eine Art Puffer.

Ergänzend gibt es die Bereitstellungsfunktion. Diese gleicht den Unterschied aus, die zwischen der Bereitstellung und dem Verkauf liegt. Weitere Funktionen sind die Sicherungsfunktion, die Veredlungsfunktion und die Spekulationsfunktion.

Zur Lagerhaltung gehören ebenfalls die unterschiedlichen Lagerplatzvergabestrategien und die Ein- und Auslagerungsstrategien.

Transport

Der innerbetriebliche Transport gehört ebenfalls zur Materialwirtschaft. Bei dieser Aufgabe geht es um das Bewegen und Fördern von Gütern und Produkten innerhalb des eigenen Betriebs. Darunter fällt beispielsweise der Transport zwischen der Produktions- und der Lagerstätte eines Guts.

Materialwirtschaft in ERP-Systemen

ERP-Systeme helfen in der Praxis dabei den Materialfluss eines Unternehmens zu analysieren, zu optimieren und ihn übersichtlicher zu gestalten. Da ein optimaler Materialfluss in einem Unternehmen sehr wichtig für die Wertschöpfung ist, ist ab einer gewissen Unternehmensgröße ein ERP-System unerlässlich.

Das ERP-System ist in der Lage alle wichtigen Kennzahlen und Daten im Bezug auf die Materialwirtschaft zu erfassen und auszuwerten. Zum Teil können ERP-Systeme dazu verwendet werden, gewisse Abläufe zu automatisieren.

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Autor: Thomas
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